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Studieninhalte

Der Studiengang „Imperien und Transkontinentale Räume“ verbindet die Ansätze der Area Studies mit denen der Geschichts- und Kulturwissenschaften und ist dezidiert forschungsorientiert und multidisziplinär ausgerichtet. An diesem im deutschen Hochschulraum einzigartigen Studiengang beteiligen sich die Fächer der Zeitgeschichte Chinas/Sinologie, der Neueren und Neuesten Geschichte (West- und Osteuropa), der Amerikanistik und der Japanologie.

Weltkarte erstellt von Matteo Ricci, hier japanische Kopie von 1604. Darüber die drei regionalen Teilbereiche des Studiengangs: Europa-Asien, Transpazifik und Transatlantik

Magna Mappa Cosmographica 坤輿萬國全圖, erstellt 1602 durch Matteo Ricci in Peking (hier japanische Kopie von 1604). Quelle: Matteo Ricci – Image Database of the Kano Collection, Tohoku University Library

Im Zentrum des Studiengangs steht die kritische Auseinandersetzung mit heutigen politisch-gesellschaftlichen Herausforder- ungen wie Populismus, Nationalismus, Regionalismus, Wandel international-geopolitischer Machtbeziehungen, globale Bedrohungsszenarien wie Terrorismus, Flucht und Migration oder Klimawandel. Eine umfassende und interdisziplinär verortete Kenntnis der historischen Verflechtungen in kontinentalen und transkontinentalen Räumen (Europa-Asien, Transpazifik und Transatlantik) ist unumgänglich, um einerseits die historische Genese dieser globalen Probleme zu verstehen und andererseits nachhaltige Lösungsstrategien zu eröffnen.

Statue von Johannes Paul II. in Nagasaki

In methodischer Hinsicht sollen Ansätze angewendet und weiterentwickelt werden, die über den Nationalstaat als den alleinigen Akteur in globalen Prozessen hinausgehen und gleichzeitig aussagekräftigere Ergebnisse liefern, als es etwa die oftmals nur auf eine Synthese von (häufig rein englischsprachiger) Sekundärliteratur gestützte Global- oder Imperiengeschichte gemeinhin vermag. Der Studiengang unternimmt es erstmals, transkontinentale Verflechtungsprozesse in unterschiedlichen Weltregionen zu untersuchen und aufeinander zu beziehen. Damit können Entwicklungen und Dynamiken im transatlantischen und transpazifischen Raum sowie zwischen Europa und Asien analysiert und verglichen werden. Gleichzeitig verweist der Imperien-Begriff darauf, dass Fragen nach Herrschaft, Macht und machtgestützten Aushandlungsprozessen in der Konstruktion dieser Räume eine zentrale Rolle spielen. Neu ist, dass hier am Beispiel transkontinentaler Räume Dynamiken und Strukturen der modernen Globalisierung untersucht und zudem in Beziehung zu den imperial geformten bzw. überformten Machtasymmetrien betrachtet werden.

Mit dem Fokus auf drei transkontinentale Räume—Transpazifik, Transatlantik und Europa-Asien—werden folgende Themen aus dem Zeitraum vom 19. bis zum frühen 21. Jahrhundert in den Blick genommen:

  • (Zeit-)Geschichte von internationalen Beziehungen und internationalen Organisationen
  • vergleichende Kolonial- und Imperiengeschichte, Dekolonisationsprozesse und postkoloniale Studien
  • transnationale Beziehungen, darunter Migrationsgeschichte, Ideen- und Kulturtransfer, Phänomene kultureller Mobilität
  • transnationale und globale Modernisierungsprozesse seit dem 19. Jahrhundert
  • Identitäts- und Alteritätskonstruktionen in unterschiedlichen Kulturräumen/Imperien (Repräsentationskritik und Stereotypenforschung), Konstruktion und Dekonstruktion nationaler und regionaler Räume sowie kultureller Differenz(en)
  • Entstehung und Veränderung transnationaler Öffentlichkeiten, Globalisierung von Protestbewegungen sowie analoge und digitale Mediatisierungsprozesse
  • Umwelt- und Infrastrukturgeschichte in trans- und internationaler Verflechtung